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27.06.12 20:28 Alter: 5 yrs
Blog Recht Kategorie: Blog Recht

Aufklärung auch über seltene Risiken unerlässlich

Noch immer schenken viele Zahnärzte dem Thema Aufklärung und Dokumentation viel zu wenig Beachtung. Dies ist grob fahrlässig, da selbst bei einer fehlerfreien Behandlung den Zahnarzt eine erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldzahlungspflicht treffen kann, wenn er die gebotene Aufklärung unterlassen hat bzw. die Dokumentation entsprechende Lücken aufweist.

Das OLG Hamm (Urteil v. 30.05.2011, Az.: I-3 U 205/10, 3 U 205/10) hat zum Thema Aufklärung in der Zahnarztpraxis jüngst entschieden, dass der Patient vor dem Einsatz von Veneers über das mit den notwendigen Einschleifmaßnahmen verbundene Risiko einer chronischen Pulpitis jedenfalls dann aufgeklärt werden muss, wenn die Behandlung nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus kosmetischen Gründen erfolgt.

Auch wenn dies ein seltenes Risiko sei, hätte eine Aufklärung stattfinden müssen. Über seltene Risiken müsse nämlich immer dann aufgeklärt werden, wenn sie für den Laien überraschend und trotz ihrer Seltenheit für den Eingriff spezifisch sind sowie bei einer Verwirklichung die Lebensführung schwer belasten. Wenn wie im vorliegenden Fall aus medizinischen Gründen nur eine relative und keineswegs irgendwie eilbedürftige Indikation bestehe, müsse gerade wegen des erheblichen kosmetischen Charakters erhöhte Anforderungen an die Risikoaufklärung gestellt werden.

Trotz einer fehlerfreien Behandlung verwirklichte sich bei der Patientin das aufklärungsbedürftige Risiko einer Pulpitis, die in eine Wurzelkanalentzündung überging. Ebenfalls als Folge der Pulpitis wurde die dauerhafte, teils hochgradige thermische Empfindlichkeit der behandelten Frontzähne und die nachfolgenden Abszedierungen bewertet. Auch nach etwa 2 Jahren kommt es noch zu Rötungen und Schwellungen der behandelten Frontzähne, insbesondere bei der Nahrungsaufnahme, wenn es zu einem schmerzhaften Kontakt der Nahrung mit den Zähnen kommt.

Aus diesen Gründen erhielt die Patientin ein Schmerzensgeld in Höhe von 8.000,-   zugesprochen. Da zudem die Frontzähne auf Grund der Pulpitis möglicherweise nicht dauerhaft zu erhalten sind, ist der Zahnarzt ebenfalls bereits jetzt dazu verurteilt worden, der Patientin alle weiteren aus der Behandlung noch entstehenden immateriellen Schäden zu ersetzen. Dies alles - wie gesagt - einzig und allein auf Grund der unzureichenden Aufklärung.