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04.03.11 14:28 Alter: 7 yrs
Blog Coaching Kategorie: Blog Coaching

Die Analyse einer Praxis anhand der BWA und mit Hilfe von Benchmark-Zahlen.

Wie schon im betriebswirtschaftlichen Teil ausgeführt, ist die Analyse einer Praxis
anhand von „Zahlen“ nur ein Teilschritt einer Gesamtbewertung. Auch der Vergleich zu anderen Praxen ähnlicher Größenordnung, Struktur und Fachrichtung, der sogenannte „Praxisbenchmark“, bietet nur Ansatzpunkte, die in einer vertiefenden Analyse genauer betrachtet werden müssen.

Dennoch ist dieses Vorgehen, rein anhand von „nackten Zahlen“ eine Praxis zu beurteilen, für Steuer- und Bankberater eine übliche Vorgehensweise. Aber auch der Praxisinhaber kann bei regelmäßiger Analyse und Vergleich mit anderen aber auch im Vergleich der eigenen Zahlen in der historischen Entwicklung interessante Schlüsse für die eigene Praxis ziehen.

Im Wesentlichen kommt es darauf an, Auffälligkeiten zu finden und Tendenzen festzustellen. Kurzum: Entwickelt sich die Praxis positiv oder negativ, ist die Praxis wirtschaftlich stabil oder in der Existenz gefährdet, gibt es Umsatz- und Kosteneinsparungspotenziale.

Das Vorgehen eines Praxisanalysten / -beraters ist durchaus vergleichbar mit der Situation Patient à Zahnarzt. Am Anfang wird ein Befund aufgenommen, die klassische „01“. Der Betriebswirt macht hier die „Ist-Analyse“. Dann wird gemeinsam mit dem Patienten festgestellt, welches Behandlungsziel angestrebt wird. Abschließend erfolgt die „Planung“. Genauso geht auch der Betriebswirt vor. Auf Basis der Ist-Analyse werden Erkenntnisse und Maßnahmen abgeleitet, die den Praxisinhaber zum gewünschten Ziel führen.

Die Ziele des Praxisinhabers und die Ausgangssituation bestimmen die Maßnahmen.

In der Regel leiten sich die Ziele sehr stark von der Lebenssituation des Praxisinhabers und  des Entwicklungsstadiums der Praxis ab. Das folgende Schaubild illustriert die „Entwicklungsphasen“ einer Praxis und des Praxisinhabers:

 Eine Praxis durchläuft ganz unterschiedliche Phasen. Jede Phase verlangt vom  Praxisinhaber einen
• anderen Focus
• andere Methoden
• andere Vergleichskennzahlen
Die Ziele die sich ein Praxisinhaber gibt sind auch nicht nur monetärer Natur. Für einen „älteren“ Praxis-inhaber mit 50 steht evtl. die „Life-Time-Balance“ im Vordergrund. Der Neugünder konzentriert sich eher auf Neupatientenzahlen und der Umsetzung des Praxiskonzeptes und der Stabilisierung der Praxisabläufe.


Begriffserläuterungen

BWA – Die betriebswirtschaftliche Auswertung

In der Regel erstellt der Steuerberater die BWA auf Basis der zur Verfügung gestellten Buchhaltungsunterlagen. Die BWA zeigt, wie viele und welche Einnahmen die Praxis hatte und welche Ausgaben. Dabei werden nur tatsächliche Zahlungen (bar oder über das Konto) berücksichtigt. Die BWA zeigt im Endeffekt nur den Gewinn als Größe aller Einzahlungen minus aller Auszahlungen. Da die meisten Zahnärzte Einnahme-Überschussrechner sind,
ist die Aussagekraft der BWA in Bezug auf den tatsächlichen Praxiserfolg sowie auf die Praxisliquidität limitiert. Wenn z. B. zum Jahresende eine große Laborrechnung nicht bezahlt wird, obwohl alle Arbeiten beim Patienten eingesetzt und diese auch vom Patienten noch im alten Jahr bezahlt wurden, stellt sich der Gewinn lt. BWA zu hoch dar. Umgekehrt passiert es oft, dass zwar alle Rechnungen von der Praxis zum Jahresende noch bezahlt werden, aber noch viele Patientenrechnungen offen sind. Dadurch wird in der BWA ein niedrigerer Gewinn gezeigt.

Liquidität geht vor Rentabilität geht vor Umsatz

Dieser Grundsatz der BWL besagt, dass jeder Unternehmer zuerst auf die Liquidität achten muss. Liquide sein bedeutet, zu jedem Zeitpunkt zahlungsfähig zu sein. Wenn die Liquidität gesichert ist, ist es wichtig rentabel zu arbeiten. Es nutzt nichts, wenn ein Praxisinhaber zwar viel Umsatz macht, er aber unter dem Strich kein Geld verdient. Die Rentabilität wird über praxisspezifische Kennzahlen gemessen. Ziel eines jeden Praxisinhabers muss es sein, die für ihn relevanten Kennzahlen kontinuierlich zu verbessern. Der Umsatz allein sagt somit nichts über den wirtschaftlichen Erfolg aus. Es ist aber richtig, dass der Gewinn bei gleichbleibenden Kosten durch einen höheren Umsatz gesteigert werden kann. Oftmals ist das Potenzial, in einer Praxis den Umsatz zu steigern größer als die Möglichkeiten die Kosten weiter zu senken.

Praxisbenchmark

Der Praxis-Benchmark liefert eine Antwort auf die Frage, wie gut die eigene Praxis im Branchenvergleich abschneidet. Außerdem zeigt er punktgenau, an welchen Stellen die spezifischen Stärken und Schwächen der Praxis liegen.

Der Praxis-Benchmark:

• zeigt detailliert auf, wie die eigenen Leistungs- und Kostendaten im Vergleich zum Branchendurchschnitt dastehen

• vergleicht die eigenen Kennzahlen
mit den Durchschnittszahlen der Wettbewerber im gleichen Marktsegment (Region und Praxisgröße)

•stellt die eigenen Kennzahlen den Durchschnittszahlen der Wettbewerber im gleichen Umsatzsegment gegenüber
Fortsetzung der betriebswirtschaftlichen Reihe im nächsten Blog. Ein persönlicher Benchmark kann als Beratungsleistung bei den Autoren angefordert werden.

Von: Uwe Schäfer & Franco Tafuro